Montage sind so eine Sache. Vor allem aber sind Montage nicht so meine Stärke. Statt eines frischen Starts in die neue Woche fühlen sie sich oft eher an wie ein in den letzten Zügen liegendes Restwochenende. Wie die gestohlene zweite Hälfte eines achtundvierzigstunden-Sonntags. Hier mal der chronologische Ablauf eines Wochenstarts, wie er besser nicht sein könnte.Ich hege den Verdacht, die Amokläuferin von Lörrach hatte einen ähnlichen Tag, nur halt Sonntag. Ohne die Auszeit beim Asiaten wäre ich vielleicht auch in die Deutsche Geschichte 2010 eingegangen: als Rentner-ertränkender Amoktaucher von Karlsruhe.
03:00 Uhr Nachts:
Die Gleisbauarbeiten vor meinem Hotelzimmerfenster werden eingestellt.
09:xx Uhr Morgens:
Das Zimmertelefon klingelt unerbittlich. Ich wälze mich aus dem Bett und gehe ran. "Herr K., sie wollten heute abreisen, ..." - "Äh, nein!?"
Es stellt sich heraus, dass irgendeine Äußerung, dass ich am Wochenende nach Hause nach NRW fahren würde, wohl ohne Nachfrage irgendwie als Abreise interpretiert wurde und als solche in den Belegungsplan einfloss. Aber wieso dann Montag!? Vor allem sprach ich mit nem anderen Mitarbeiter mehrfach darüber, wie lange ich bleiben würde - nach der Unterhaltung mit o.g. beiläufiger Anmerkung - und in den Unterhaltungen waren "definitiv" und "bis zum 24.9." überproportional oft vertreten.
Mal gucken was das morgen gibt. Entweder werde ich den Herren mal vorschlagen, die anderen bzw. neuen Gäste in ein nahegelegenes Hotel zu schicken und halt die Kostendifferenz zu tragen, oder ich siedele gegen Taxigeld, Preisnachlass der getätigten Übernachtungen sowie Erstattung der Zusatzkosten um in ein besseres Hotel. Ohne Baustelle vor'm Fenster - oder zumindestens einer leiseren. Ich hoffe nur, das Telefon klingelt nicht wieder vor 10, das würde der ganzen Farce nur noch die Krone aufsetzen. Gleich schon wieder drei, aber diesmal will ich wenigstens ausschlafen.
Gegen 12 Uhr Mittags:
Sporttasche gepackt. Der Rucksack mit Sportzeug für's Fitnessstudio ist drin, dazu 4x 1.5l PET Leergut, und etwas Krams. Plan: Essen gehen, dann zur Arbeit, nach der Arbeit Schwimmen gehen, oder, im Falle spontaner Unlust, zumindest trainieren.
Am Leergutautomat steht ein Neger. Auf dem Display stehen bereits knapp 4 EUR, und der Typ hat einen noch immer hüfthoch mit Flaschen gefüllten großen blauen Müllbeutel vor sich. Neben anderen Taschen und Tüten.
Ich setze mich zum Asiaten, bestelle Ente, beobachte den sich erstaunlich schnell bildenden Stau vor dem Leergutautomat und warte auf mein Essen. Dann esse ich entspannt, denke etwas nach und beobachte das Treiben in der Postgallerie.
Als ich fertig bin, nehme ich die Flaschen und gehe die paar Schritte zum Automaten. Eine Frau ist wenige Sekunden vor mir dort, und mit ungeheuerem Talent macht sie binnen weniger Sekunden den Automat kaputt.
"Grad mal Mittag, kann ja ein interessanter Tag werden", denke ich mir. Der Automat ist getört, ich setze mich wieder hin und schalte etwas ab. Ich entdecke dabei, dass ich die beim Essen mitgekaufte Cola bislang vollkommen vernachlässigt habe - genaugenommen schon fast eher vergessen, obwohl sie die ganze Zeit vor meiner Nase stand. Wenige Minuten später macht sich ein Mitarbeiter vom Supermarkt am Automat zu schaffen und entstört ihn. Ich werde die vier Flaschen los, löse den Bon ein und gehe durch das sonnige Karlsruhe bewusst zu Fuss zur Arbeit.
Gegen 16 Uhr:
Anruf meines Kunden. Ich sitze beim Endkunden bei der Arbeit. Ob der Anruf gelegen kommt wird nicht gefragt. Ich bin aus vielfältigen Gründen nicht übermäßig gesprächig. Es stellt sich heraus, dass die Diskrepanzen bezüglich der Projektdauer zwischen Kunden und Endkunden nach wie vor nicht geklärt sind. Vertrag zwischen Kunden und Endkunden ist wohl vor einer Woche abgelaufen. Aha. Gut zu wissen. Im Vertrag mit meinem Kunden sind, wenn ich mich recht entsinne, 3 Monate Dauer und ein Starttermin festgelegt, der sich allerdings um 12 Tage verzögert hatte. Also ging ich erstmal von einem Einsatz bis Mitte Oktober aus, während das vor einiger Zeit schon von meinem ebenso überraschten Teamleiter auf den 24.9. korriert wurde. Halten wir fest: 3 Parteien, 3 Dati(?), Verlängerung gewünscht, aber noch offen. Naja, ist ja auch noch Zeit bis Freitag... meine Fresse!Ansonsten aber ruhig, alles gut.
Gegen 18 Uhr:
Hab mein Token vergessen, ich kann das Büro nicht abschliessen. Das muss es aber sein. Also gehe ich mit den letzten zwei Kollegen gegen 18 Uhr. Mache mich direkt auf den Weg zum Europabad.
Kurze Zeit später:
Bin fast auf dem Parkplatz vom Europabad, aber aufgrund des sonnigen Wetters eigentlich schon eher in der Stimmung, die Zeit lieber draussen zu verbringen und in die City zu gehen. Ein weiterer, eher sekundärer Grund ist der, dass mir unterwegs klar wurde, dass sich die Badehose nicht in der Tasche befindet, da diese mit anderen Klamotten in einer Tüte innerhalb der Tasche war, und ich diese Tüte aus der Tasche genommen hatte, ohne die Hose wieder einzupacken... gut, egal, ich hatte mich ja eh pro Sonne und gegen das Wasser entschieden.
Etwas später im Hotel:
Genervt und müde penne ich auf dem Bett erstmal ein, noch vor 20 Uhr. Doch nicht mehr rausgegangen, geschlafen bis 22 Uhr. Oh man.